Bei Debian angekommen
Lange Zeit habe ich mich nun mit der Auswahl der richtigen Linux-Distribution beschäftigt. Nachdem ich 2002 meine ersten Kontakte mit Linux machte, als unser damaliger Informatiklehrer an usnerer Schule SuSE Linux einführte, habe ich mich durch diverse Distributionen durchprobiert.
Natürlich habe ich mich mit SuSE lange Zeit wohlgefühlt, hauptsächlich wohl weil ich noch nichts anderes kannte und SuSE ja allgemein ein beliebter Anfängerfehler ist (oder war). Danach sprang ich, von einem Kollegen infiziert, in die kalten Fluten und beschäftigte mich eingehend mit Gentoo. Bis heute muss ich sagen, dass mir der Gentoo-Ansatz am besten gefällt. Das Portage-System ist natürlich durchaus mit den BSD-Ports vergleichbar und ein rundum angepasstes System ist damit perfekt möglich.
Für den Desktop-Einsatz jedoch eigenete sich Gentoo leider auf lange Sicht nicht. Gerade wenn man öfters mal spontan neue Programme benötigt, gibt es hier Stress. Möchte mann in einer Präsentation ein Programm zeigen, mit dessen Notwendigkeit man vorher nicht gerechnet hat, macht ein dreistündiger Kompiliervorgang nicht den allerbesten Eindruck. Mit dem GRP-Ansatz könnte man dieses Problem zwar lösen, jedoch gibt es da – meines Wissens – keine aktiven Entwicklungen.
Zuletzt war ich dann im Desktopeinsatz langjähriger Ubuntu-Benutzer. Im Serverbetrieb setzte ich stattdessen (größtenteils) auf Debian GNU/Linux. Im Prinzip war der Hintergedanke, grundsätzlich Debian-artige Systeme einzusetzen, da Paketverwaltung und Ähnliches hier einfach am schönsten ist. Ubuntu war die Alternative zu Debian testing, um ein halbwegs aktuelles System zu haben.
Spätestens mit Ubuntu 11.04 “Natty Narwhal” hat Canonical jedoch gezeigt, dass sie ihr Betriebssystem nun gezielt zerstören möchten. Unity und die restlichen damit verbundenen Patches kann man einem gesunden Menschen einfach nicht antun, und vor allem hinterlässt die Art und Weise der Entwicklung einen äußerst faden Nachgeschmack. Es sieht nämlich so aus, als sei Unity nur der Anfang einer langen Ära von Ubuntu-spezifischen Änderungen und Alternativlösungen. Vielleicht gibt es den einen oder anderen, der das möchte, aber ich persönlich möchte von der Community entwickelte, vernünftige Software.
Nachdem ich im letzten Jahr knallhart an Fedora gescheitert war (ieses System wollte bei mir einfach keine Grafik machen oder hängte sich alle 10 Minuten weg; die Fedora-Jungs bei den CLT hatten auch keine Ahnung wie sie das lösen sollten) habe ich dieser Distribution dann in den letzten Wochen noch einmal einen ausführlichen Besuch abgestattet. Zunächst war ich begeistert, da das System wirklich stabil und schnell lief und größtenteils recht unberührt aussah. Nach reiflichen Überlegungen war dann jedoch klar, dass man RPM und vor allem so etwas behäbiges und kaputtes wie yum dann doch nicht haben will. Die Antwort auf die Fragen der Paketverwaltung heißt apt.
Und nicht zuletzt ist da dann noch eine zugegebenermaßen eher religiöse Frage, nämlich die nach dem Maintainer einer Distribution. Aus meiner Sicht ist Debian schlicht die reinste Distribution. Rein bedeutet in diesem Fall, dass es weder einen historisch gewachsenen Bezug zu einem kommerziellen Anbieter (SuSE), einen kommerziellen Träger (Ubuntu) noch einen kommerziellen Supporter, der sich Sitze in einer Foundation kauft (Fedora) gibt. Natürlich wird auch Debian von großen Unternehmen wie HP oder 1&1 gefördert, jedoch gibt es hier keine Anzeichen von überdurchschnittlicher Beeinflussung durch die kommerziellen Interessen eines einzelnen Sponsors.
Bleibt ein ärgerlicher Punkt, nämlich der der in Debian stable deutlich veralteten Software. Jedoch kann man ja, wenn man es vernünftig tut, durchaus mit Debian testing arbeiten oder aktuellere Software händisch nachinstallieren. Für unerfahrene Anwender ist das sicherlich nicht die beste Option, für mich und meinen Benutzerkreis, der in der Handhabung und Wartung des Systems von mir betreut wird, ist es jedoch die beste Alternative.
Es steht hiermit, nach 9 Jahren, also fest: Debian soll und wird meine Heimat werden. Sowohl als Benutzer als auch als aktiver Kontributor.


