Die Verwendung von Geocache-Listings – Lizenzfragen und warum Geocaching.com freier ist als Opencaching

In letzter Zeit gibt es einiges an Diskussion über Lizenzfragen bei Geocache-Listings. Auslöser dafür war auf der einen Seite die bekannt gewordene Lizenzänderung des Opencaching.de-Projektes zur CC-BY-NC-ND-Lizenz, auf der anderen Seite ein Thread im Geoclub über die Weitergabe von Daten aus Pocket Queries auf Geocaching.com.

So kontrovers die Diskussion sein mag und so gerechtfertig der Ärger über die restriktive Haltung von Groundspeak sein mag, so einfach ist eigentlich auch die Lösung. Fangen wir einmal mit Groundspeak an. Die Terms of Use sind sehr eindeutig:

The Site and all content available on the Site are protected by applicable intellectual property laws, and are for personal and noncommercial use. All rights not expressly granted in this Agreement are reserved by Groundspeak or by the respective owners of the intellectual property rights. All materials available on or through the Site, other than Third Party Submissions (collectively, the “Site Materials”) are the property of Groundspeak or of its licensors and are protected by copyright, trademark, and other intellectual property laws. Groundspeak reserves the right to impose additional terms and conditions upon Your use and viewing of particular Site Materials, and any such terms and conditions may be posted on the Site in connection with those Site Materials. You may not reproduce or retransmit the Site Materials, in whole or in part, in any manner, without the prior written consent of the owner of such materials, except as follows: You may make a single copy of the Site Materials solely for Your personal, noncommercial use, but such copying must be consistent with any applicable additional terms and conditions and You must preserve any copyright, trademark, or other notices contained in or associated with such Site Materials. You may not distribute such copies to others, whether or not in electronic form and whether or not for a charge or other consideration, without prior written consent of the owner of such materials.

Wer diesen Abschnitt aufmerksam liest, wird einige sehr interessante Punkte feststellen:

  1. Die Website gehört Groundspeak, Inc. und sie geben an dieser Veröffentlichung keine Rechte. Das ist ja auch nicht notwendig – warum sollte jemand das Seitenlayout, Grafikdesign, etc. kopieren wollen?
  2. Groundspeak, Inc. sagt ausdrücklich, dass Inhalte, die von Dritten auf der Website veröffentlicht wurden, diesen Dritten gehören. Der Eigentümer eines Cachelistings bleibt also der Owner.
  3. Groundspeak räumt jedem Benutzer das Recht ein, Listings für sich selber einmalig zu kopieren und im Rahmen des Spieles zu verwenden. Eine Weiterveröffentlichung ist nicht erlaubt.
  4. Der Urheber des Materials im Listing kann in Schriftform weitere Rechte einräumen.

Wenn man hierüber nachdenkt, wird schnell klar: Groundspeak schränkt weder die Rechte des Urhebers noch der Benutzer ein. Im Gegenteil: Jeder bekommt das Recht eingeräumt, Listings für sich selber zu verwenden. Nichts liegt mir ferner, als einen kommerziellen Dienstanbieter wie Groundspeak zu verteidigen, aber Fakt ist: Diese Lizenz ist offener als die, die fast alle Owner selber geben! Denn, zumindest in Deutschland, ist das Urheberrechtsschutzgesetz eindeutig:

UrhG §15 Satz 1

 

Der Urheber hat das ausschließliche Recht, sein Werk in körperlicher Form zu verwerten.

Mit der Veröffentlichung auf Geocaching.com stellt der Urheber seinen Inhalt also zunächst unter Groundspeaks Lizenz. Diese Lizenz erlaubt zwei Parteien etwas:

  1. Jedem Benutzer die Nutzung des Inhalts für persönliche Zwecke, sowie
  2. Groundspeak weitere Rechte, mit denen sie ihre kommerziellen Interessen vertreten.

Das interessante am zweiten Punkt ist die Formulierung in den Terms of Use:

All comments, articles, tutorials, screenshots, pictures, graphics, tools, downloads, and all other materials submitted to Groundspeak in connection with the Site or available through the Site (collectively, “Submissions”) remain the property and copyright of the original author. If You submit Submissions to Groundspeak, You must adhere to any applicable submission guidelines that may be posted from time to time on the Site. By submitting any Submission to Groundspeak, You grant Groundspeak a worldwide, non-exclusive, transferable, perpetual, irrevocable, fully-paid royalty-free license and right to use, reproduce, distribute, import, broadcast, transmit, modify and create derivative works of, license, offer to sell, and sell, rent, lease or lend copies of, publicly display and publicly perform that Submission for any purpose and without restriction or obligation to You.

 

Daraus folgt:

  1. Groundspeak wird nicht Eigentümer der veröffentlichten Inhalte. Alle Rechte bleiben dem Urheber, also dem Owner, vorbehalten. Das ist nicht nur eine indirekte Folge des deutschen Rechts, das so oder so gelten würde, egal was Groundspeak verlangt, sondern das wird von Groundspeak ausdrücklich so klargestellt.
  2. Groundspeak bekommt ein Nutzungsrecht, mit dem sie ihre kommerziellen Interessen vertreten dürfen. Aber dieses Nutzungsrecht ist ausdrücklich nicht-exklusiv - es verhindert also keinesfalls, dass der Owner sein Werk selber weiterlizensiert.

Die Konsequenz aus diesen Beobachtungen ist, dass sich der eine oder andere, der über Groundspeak schimpft, grundlos anpinkelt. Groundspeak agiert ausschließlich im Sinne geltender Gesetze und schützen damit die Rechte des Einzelnen. Darüberhinaus fordern sie nur ein zusätzliches Nutzungsrecht für sich selber. Im Prinzip fordern sie für sich eine reine CC-Lizenz – sie dürfen alles tun. Sie nehmen sich nur nicht das Recht heraus, diese Lizenz auch für alle anderen zu fordern. Das liegt in der Verantwortung des Einzelnen. Was Groundspeak da fordert, ist also nichts anderes als das, was jeder fordert, der sagt: “Mit meinem Listing darf jeder machen ,was er möchte.”. Um das allen anderen außer Groundspeak zu erlauben, ist nur ein kleiner weiterer Schritt erforderlich.

Die Partei, die also die freie Nutzung von Listings von Geocaching.com verhindert, ist also der Owner seber, der es versäumt hat, sein Werk selber ausdrücklich zu lizensieren. Eine einfache Notiz im Listing hilft:

This cache listing is published under the CC-BY-SA license. Groundspeak, Inc. is granted a seperate license under their Terms of Use.

Diese Notiz steht in vollem Einklang mit deutschem Recht und mit den Terms of Use von Groundspeak, Inc. – diese weisen ausdrücklich auf diese Möglichkeit der selbstständigen Lizensierung hin.

Was Opencaching.de angeht, ist die Sachlage ähnlich – die Listings stehen dort standardmäßig unter CC-BY-NC-ND, es ist also keine Abwandlung oder kommerzielle Nutzung erlaubt. Dies ist allerdings ein Mindeststandard – jeder Owner kann die Lizenz seines Listings freier wählen, indem er eine Notiz in seinem Listing anbringt. Die oben genannte Notiz deckt beide Plattformen ab.

Interessant ist aber, dass das Opencaching-Projekt daraus ein Geheimnis macht. In den Nutzungsbedingungen findet sich keinerlei Hinweis auf die selbstständige Relizensierung der Beiträge:

Ab dem 7. April 2013 stehen alle durch die Benutzer auf Opencaching.de eingebrachten Inhalte unter der Lizenz “Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0″, auf Deutsch “Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0″ (CC BY-NC-ND 3.0), das heißt, Sie dürfen die Inhalte vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen. Dabei ist die Namensnennung des Autors/Rechteinhabers in der unten angegebenen Form zu wahren. Eine kommerzielle Nutzung der Inhalte ist in jeglicher Form ausgeschlossen, ebenso dürfen keine Veränderungen/Abwandlungen der Inhalte vorgenommen werden.

Opencaching zwingt seinen Nutzern hier erst einmal eine (unfreie) Lizenz auf. Da die Rechtslage eindeutig ist, darf trotzdem jeder seine Lizenz freier wählen und das räumen die Projektleiter auf Nachfrage auch ein. Aufgrund der Nutzungsbedingungen wird der Hinweis auf die vorgegebene Lizenz aber immer prominenter sein als die eigene Lizenz.

Dem Opencaching-Projekt ist also zu der Leistung zu gratulieren, dass ihre Plattform nun offiziell unfreier ist als Geocaching.com. Denn bei Groundspeak bekommen die Autoren keine Lizenz vorgegeben und erhalten schon bei der Registrierung völlig frei Haus den Hinweis, dass sie ihre Beiträge selber lizensieren sollen. Das Opencaching-Projekt bedient sich bis auf Weiteres nur einer Bevormundung in Lizenzfragen.

Es ist eine andere Frage, ob derlei Pingeligkeit sinnvoll ist. Der eine oder andere dürfte es lästig finden, sich mit dem Urheberrecht beschäftigen zu müssen. Ich hingegen finde es aber gut, dass ich selber entscheiden darf, wem ich welche Rechte einräume und dass das nicht einfach jemand anderes für mich tut.

Disclaimer: TINLA, IANAL.

Update: Mehr Details über Opencaching hinzugefügt.
Update: Opencaching.de stellt sich offen gegen eine einfache Lizenzauswahlmöglichkeit für seine Benutzer. Es ist also amtlich und anerkannt, dass man mit dem Thema schlechter umgeht als Groundspeak und der Name Opencaching allenfalls am Bullshit-Bingo teilnehmen kann.
Update: Weitere zwei Tage später hat Opencaching.de seine Nutzungsbedingungen so weit ergänzt, dass sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass ihre vorgegebene Lizenz nicht-exklusiv ist. Damit ist das Problem grundsätzlich erstmal gelöst. Geocaching.com ist aus dem Blickwinkel der Wahlfreiheit des Einzelnen zwar immer noch freier, aber im Sinne der Allgemeinheit ist der Mindeststandard CC-BY-NC-ND angemessen.

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12 Gedanken zu “Die Verwendung von Geocache-Listings – Lizenzfragen und warum Geocaching.com freier ist als Opencaching

  1. Super!

    Dann können wir ja einfach alle Listings von gc.com in jede andere Plattform reinkopieren ! Das da vorher noch keiner drauf gekommen ist?

  2. Hast du diesen Teil der GS-TOS mit Absicht vergessen?

    “[...] By submitting any Submission to Groundspeak, You grant Groundspeak a worldwide, non-exclusive, transferable, perpetual, irrevocable, fully-paid royalty-free license and right to use, reproduce, distribute, import, broadcast, transmit, modify and create derivative works of, license, offer to sell, and sell, rent, lease or lend copies of, publicly display and publicly perform that Submission for any purpose and without restriction or obligation to You. [...]“

  3. Gegenfrage, Flopp: Hast du meinen Artikel mit Absicht nicht gelesen, bevor du ihn kommentiert hast :) ? Ich weiß nicht genau, was du genommen hast, aber wenn *ich* den Artikel aufrufe, sehe ich sowohl diesen Absatz in meinem Zitat der Terms of Use als auch zwei ganze Absätze, in denen ich darauf eingehe :) .

  4. Danke für den Artikel!
    Ich werde gleich mal die cc-by-sa-Lizenzangabe zu meinen Listings hinzufügen. (bei GC und OC)

    “By submitting any Submission to Groundspeak, You grant Groundspeak a worldwide, non-exclusive, transferable, perpetual, irrevocable, fully-paid royalty-free license and right to use, reproduce, distribute, import, broadcast, transmit, modify and create derivative works of, license, offer to sell, and sell, rent, lease or lend copies of, publicly display and publicly perform that Submission for any purpose and without restriction or obligation to You.”

    Was ich mich hier immer Frage: Groundspeak erhält also eine Lizenz ohne Einschränkungen mir gegenüber.
    Wenn ich eine cc-by-sa-lizenzierter-Datei im Listing nutze und richtig deklariere, verstoße ich dann gegen die ToU? Ich meine nicht, denn “without restriction or obligation to You.” bezieht sich ja auf mich und nicht auf den Rechteinhaber cc-by-sa-lizenzierten-Datei.

  5. Nein, das uneingeschränkte Nutzungsrecht für Groundspeak ist “non-exclusive”. Habe ich auch im Artikel ausdrücklich geschildert. Es schränkt dich in keinster Weise ein.

  6. Das heißt doch, wenn ich das jetzt mal auf die Spitze treibe, Folgendes: ich logge “TFTC” und setze darunter eine unfreie Lizenz, d.h. ich verbiete, dass jemand meinen Log kopiert ohne von mir die Rechte dafür zu erwerben. Dann darf keiner mehr “TFTC” loggen? Wäre das schön!!

  7. Das ist doch totaler Unsinn, Jörg. Ein TFTC ist nicht schützenswert und fällt nicht unter deine kreative Leistung.

  8. Naja, “total” würde ich nicht sagen – immerhin haben sich andere Leute schon Rechtecke schützen lassen… dass das natürlich nicht ganz ernst gemeint war, ist wohl logisch… und wie kreativ TFTC nun wirklich ist, darüber könnte man auch noch etwas länger diskutieren :-D Muss aber nicht sein.

  9. Moin!
    Erstmal danke für die tolle Erklärung!
    Inwiefern sind denn jetzt die restlichen Details des Caches geschützt?
    Ich möchte mir gerne eine Seite bauen, die lediglich die Koordinaten, Cache-Name, D- und T-Wertung und Owner-Name aus GPX-Dateien benutzt und veröffentlicht, nur eben NICHT das Listing.
    Gibt es da rechtlich Probleme?
    Danke & viele Grüße!

  10. @Malte:

    Diese Daten sind m.E. nicht schützbar. Diese Daten bekommst du auch aus den LOC-Dateien, und ich denke, dass Groundspeak das ähnlich sieht.

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