Aufzeichnungen eines Beta-Testers – wie ein Koala zum Alpha-Tier wird
Am 30. April begann mit dem Upload der Toolchain offiziell die Entwicklung der neuen Ubuntu-Version 9.10, die den Release-Namen Karmic Koala trägt. Am 28. Mai wurde beim Ubuntu Developer Summit die zu verwendende Kernelversion abgestimmt, am 18. Juni einigten sich die Entwickler auf die zu implementierenden Features, die bis dahin als Spezifikationen in Launchpad definiert wurden.
Am 29. Juli begann für Felix und mich der aktive Beta-Test. Karmic war zu diesem Zeitpunkt im Alpha 3-Stadium. Eigentlich war uns klar, dass das nicht gut gehen konnte (schließlich benutzten wir die Version auf Produktivsystemen, was an sich schon eine mutige Entscheidung ist). Doch tatsächlich war Karmic schon so weit benutzbar, dass es für den täglichen Einsatz geeignet war (Anm. d. Red.: nicht zu Hause nach machen). An diesem Tag entstand auch ein interesantes Foto: Felix und ich waren gerade dabei zu einer Radtour aufzubrechen, während unsere Systeme das dist-upgrade zu Karmic fuhren. Dass wir dabei mit Helmen vor den Monitoren saßen, mag ein Zeichen gewesen sein
.
Und nun begann für uns eine Ära des Abenteuers: Jeden Tag, nein, fast jede Stunde gab es neue Updates, die teilweise mehr zerstörten als verbesserten. Und auch einige mehr als kreative Bugs hatten sich eingeschlichen: So ließ sich zum Beispiel der Shortcut ALT+F2 zum Öffnen des Ausführen-Dialogs nicht benutzen, wenn man dem GNOME-Panel eine feste Hintergrundfarbe zuwies. Dieses Problem wurde auch ziemlich lange nicht behoben. Auch PulseAudio machte anfangs Probleme, da es öfters mal von sich aus die Lautstärke herunterregelte. Dieses Manko wurde dann später dadurch ausgeglichen, dass sich der PulseAudio-Server einfach frühzeitig selber erhängte
.
Während ich mich noch damit herumschlug, dass mein Notebook von Tag zu Tag träger wurde (hatte ich etwa in einem Moment geistiger Umnachtung ein Microsoft-Produkt installiert ?), wurde Felix bei einer Neuinstallation nach einem Festplattencrash seines PCs rückfällig und ließ mich vorübergehend karmic-technisch im Stich (nein, ist schon ok, matey
). Ich selber fuhr weiterhin fast täglich meine Updates, las fleißig Changelogs und schrieb Bugreports. An manchen Stellen versuchte ich auch durch Patches und Übersetzungen aktiv an der Entwicklung teilzunehmen. Eclipse zum Beispiel lies sich durch einen Bug im Quellpaket nicht installieren, also lud ich eine gepatchte Version in mein PPA hoch. Bis heute haben sich die Entwickler dessen aber leider noch nicht angenommen (oder sie haben nur vergessen, entsprechende Notizen in Launchpad zu machen).
Und vor ein paar Tagen habe ich mein System dann mal neu aufgesetzt, um eventuelle Konfigurationsleichen loszuwerden. Und siehe da: Nach der Neuinstallation glänzt Karmic durch Geschwindigkeit und ein neues Icon-Theme. Einzelne Schwachpunkte bleiben noch (und daran wird sich bis zum finalen Release am 29. Oktober wohl auch nichts mehr ändern):
- Das GDM-Setup-Tool wurde quasi komplett von sämtlichen Features befreit
- Es gibt im GDM keine XDMCP-Authentifikation mehr
- Einige Programmicons haben im Systray einen grauen Hintergrund
- Dem Notification-System fehlt eine Konfigurationsmöglichkeit, genauso wie dem Indicator-Session-Applet
Über andere Entscheidungen seitens der Entwickler und Canonical kann man sich ebenfalls streiten (Ersetzung von Pidgin im Ubuntu-Desktop-Profil durch Empathy, Umstieg von SystemV-Init auf Upstart, Software Store). Doch eins ist sicher: Mit Karmic ist eine Version von Ubuntu entstanden, die sich als neues LTS-Alpha-Tier sehen lassen kann.
Für mich persönlich kamen mit Karmic auch einige Umstellungen. So ist meine Standardshell z.B. nun nicht mehr die altehrwürdige Bash, sondern die Zsh mit der Grml-Konfiguration (danke Felix !). Außerdem hat es mir die neue digiKam-Version angetan (als GNOME-User hatte ich eine Aversion gegen diese KDE-Software, aber sie ist dann doch die beste).
In Zukunft möchte ich aktiver als Beta-Tester und später sogar als Entwickler mitwirken und hoffe, auch Felix dafür gewinnen zu können. Und nun warten wir gespannt auf die Enthüllung des finalen Releases am 29. Oktober!

Oktober 18th, 2009 at 16:27
Die Sache mit dem GDM ist wohl beabsichtigt, da muss ja jetzt, da der GDM auf xsplash basiert, ein ganz neues Konfigurationstool her.
Ich schätze, spätestens in Lucid Lynx reicht der Konfigurationsdialog wieder an den alten heran. (Kann ja nicht angehen, dass wir arme Ubuntubenutzer diesen hässlich-braunen GDM aufgezwungen bekommen!)
Grüße
Oktober 19th, 2009 at 12:38
Der Bug mit dem grauen Icon-Hintergrund im Systray ist nicht Ubuntu-spezifisch, unter Arch hab ich ihn seit dem Update auf Gnome 2.28 auch.
April 19th, 2011 at 12:02
[...] das noch rechtzeitig gefixt bekommen. Die letzten Releases waren ja drei Tage vor dem Termin auch noch vollständig im A****. Aber so heftig wie das ist, das kann eigentlich gar nicht mehr gut gehen. Bei Felix hat es Unity [...]