Film-Review: Krabat
Seit gestern ist Krabat in den deutschen Kinos, und natürlich habe ich mir gleich abends die Verfilmung des bekannten Jugendbuches von Ottfried Preußler angesehen. Da ich bisher nicht unbedingt durchgehend positive Erfahrungen mit derartigen Projekten gemacht habe (man ist doch meistens vom Film enttäuscht, wenn man die literarische Vorlage kennt), kann eine kurze Kritik natürlich nicht ausbleiben.
Handlungsort / Kulisse 
Nachdem mir klar war, in welcher Zeit die Geschichte spielt (ich hatte sie beim Lesen des Buches als alt eingeschätzt, aber nicht als so alt), muss ich sagen, dass der gewählte Drehort bzw. die Kulisse genau zur Handlung des Filmes und der von Ottfried Preußler beschriebenen Gegend passt. Die dunkle Atmosphäre in der Mühle ist angesichts diverser anderer Elemente im Film zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, stellt sich dann aber als längst nicht so übertrieben wie in diversen anderen Werken dar. Alles in Allem erzeugt die Kulisse genau die richtige Atmosphäre.
Besetzung / Schauspieler 
Schon zu Beginn des Filmes lässt sich erkennen, dass alle Darsteller mit Herzblut dabei sind und ihre Rolle gekonnt und mit großer Liebe zum Detail umsetzen. Einige der Müllersgesellen erscheinen zwar zu alt, bei genauerer Betrachtung ist dies aber, je nach ihrer Aufenthaltsdauer auf der Mühle, logisch. Der “Meister” macht auf den ersten Blick einen viel zu gutmütigen Eindruck, allerdings denke ich, dass die Regie auch hier Ottfried Preußlers wahre Aussage erkannt hat (dazu später mehr). Insgesamt ist an der Besetzung also nichts auszusetzen.
Umsetzung der Handlung / Aussage 
Wie bei jeder Verfilmung eines Buches ist die Handlung deutlich verkürzt worden, allerdings muss ich gestehen, dass die Regisseure von “Krabat” tatsächlich nicht zu viel des Wesentlichen ausgelassen haben. Während ein paar Elemente zwar durchaus interessant, aber für das Verständnis der Handlung oder der Aussage nicht zwingend erforderlich sind (Ochsenblaschke auf dem Viehmarkt, etc.) und besonders am Anfang deutlich gekürzt wurde (Krabat entdeckt den Zweck des siebten Mahlganges nicht beim ersten Besuch des Gevatters, etc.), fehlt als einziges wirklich wichtiges Element nur Krabats gemeinsamer “Ausflug” mit dem Meister, was im Buch sehr klar das Vertrauen des Meisters in Krabat zeigt. Darüberhinaus ist der Interpretationsansicht den “Meister” betreffend genau richtig, da dieser von sich aus nicht wirklich “böse” ist. Viel mehr ist er selber auch nur ein unfreiwilliger Spielball des “Gevatters”, es wird aber deutlich, dass er versucht seinen Gesellen und Schülern nebenbei eine Art guter Vater zu sein. Abgesehen von ein paar kleinen “Fehlern im Detail” (z.B. wird der für die Lieferung des Gevatters benutzte Mahlgang von den Gesellen nicht geheimnisvoll “der siebte Mahlgang” sondern “der tote Gang” genannt, die Zweideutigkeit geht hier verloren) und stellenweisen “Ausrutschern” der Dialoge in mehr oder weniger modernen Jugendslang haben die Macher des Films aber auch hier gute Arbeit geleistet.
Sonstiges
Dass die Regie an manchen Stellen anscheinend leicht verwirrt war, ist nicht auszuschließen. Nach Filmende, genauer geasgt im Abspann, durchfuhr mich aber ein eiskalter Schauer: Wer zum Henker hat sich die Musik für den ABspann ausgesucht? Es gibt wenig, aber wirklich sehr wenig, was an dieser Stelle so schlecht passt wie billigste Popmusik. Aber manche Dinge muss man ja auch nicht verstehen, vielleicht musste einfach nur mal wieder etwas in den Charts “gepusht” werden
…


Oktober 10th, 2008 at 16:19
Polarkreis 18 ist definitiv keine Pop Musik, und schon gar keine billige
Als Krabat Abspann aber dann doch nicht das Wahre.
Gruß von der Raubkatze!
Oktober 12th, 2008 at 20:20
Ich habe noch ein gutes Interview mit den Darstellern gelesen. Hier ein Auszug: Zauberlehrlinge